Die Stadtkirche mit ihrem charakteristischen Turm (66 m) prägt das Stadtbild, gleichgültig, von welcher Seite man auf unsere Stadt zukommt. Sie ist der Heiligen Margarethe gewidmet, die auch die Schutzheilige der Stadt Kahla ist. Der Name "Margarethenkirche" wird 1466 erstmals gebraucht, aber bereits ein Stadtsiegel von 1421 zeigt eine Abbildung der Heiligen Margarethe. Dargestellt wird sie mit dem Drachen, dem Symbol des Bösen, und einem Kreuzstab, mit dem sie den Drachen besiegt.

Auf dem Ende eines mächtigen, etwa 700 m langen Sandstein-Felssporns, der sich ca. 25 m über die Saale erhebt und auch die Altstadt Kahlas trägt, stand in früher Zeit eine Burg. Bei dieser befand sich auch eine Kirche, und bereits 1227 wird ein Pfarrer in Kahla urkundlich erwähnt. 1345 wurde die Burg erstürmt und vernichtet.

1410 gab es einen großen Stadtbrand, der möglicherweise auch die Kirche erfasste. Wahrscheinlich wurde unmittelbar nach dem Brand mit dem Neubau des Kirchenschiffes begonnen. Der untere Teil des Turmes stammt noch aus romanischer Zeit. Eine Tafel mit einer lateinischen Bauinschrift am Turm (übersetzt "Im Jahre des Herrn 1411 am ersten Sonnabend nach Ostern ist angefangen worden dies Werk") bezeichnet den Beginn des Neubaus nach dem Brand. Eine weiter oben in die Turmmauer eingelassene Tafel datiert die Vollendung des Turm-Obergeschosses auf 1413. Bis 1462 wurde der Chor vollendet. Nach einer längeren Baupause wurde 1495 der Bau durch Aufsetzen eines Turmhelms abgeschlossen. Diese neue Kirche blieb beim Stadtbrand von 1527 unversehrt.

1791- 1793 wurden im Zusammenhang mit einem Orgelneubau die Mauern um 3,40 m erhöht und der Dachstuhl, die Flachdecke, die drei Emporen und das Gestühl umgebaut bzw. erneuert. So erhielt die Kirche ihre heutige Gestalt. 1906 erfolgten erneut wichtige bauliche Veränderungen: Der schöne kryptenartige Raum unter dem Altarraum mit seinem gotischen Gewölbe, die sogenannte Cavate, war ursprünglich ein nur von außen zugänglicher offener Durchgang unter dem Chor, der den Höhenunterschied des Geländes zwischen West- und Ostteil der Kirche ausglich. Nun wurde er als Sakristei nutzbar gemacht, indem die Wandöffnungen zugemauert wurden und so ein neuer Raum entstand.

1945 entstanden auch an unserer Stadtkirche erhebliche Schäden. Erst 1953-55 konnte unter schwierigen Verhältnissen eine Reparatur vorgenommen werden. Die dritte Empore wurde entfernt, die beiden verbleibenden Emporen gekürzt und die Fenster im Stil der 50er Jahre erneuert. 1983, zu Martin Luthers 500. Geburtstag, wurden wieder Baumaßnahmen durchgeführt, so wurden die Elektrik und das Schieferdach erneuert und die Kirche innen gestrichen. Das war zu DDR-Zeiten außergewöhnlich und war nur möglich, weil Kahla zur Lutherstätte erklärt --- schließlich hatte Luther einst in der Stadtkirche gepredigt --- und so plötzlich bevorzugt behandelt wurde. Seit 1992 ist unsere Kirche dank einer leistungsfähigen Heizung das ganze Jahr nutzbar.

In den Jahren 2002 bis 2019 wurden Dach und Außenmauern der Kirche und des Turms saniert. Zur Zeit laufen Sanierungsarbeiten im Kircheninneren. Ein altes, beeindruckendes Gebäude kann nur mit vereinten Kräften erhalten und bewahrt werden, und dieses Ziel unterstützt in Kahla ein Kirchbauverein.

Als Besonderheit muss noch das im Kirchturm hängende Vierergeläut erwähnt werden. Die bronzenen Glocken aus den Jahren 1415 bis 1516 sind original bis heute erhalten - eine Seltenheit!

Darüber hinaus bietet der Turm verschiedenen Tierarten Wohnraum. Hunderte von Fledermäusen beziehen hier jedes Jahr ihr Sommerquartier, Turmfalken nisten regelmäßig hier und auch Mauersegler, die von Anfang Mai bis Anfang August den Turm besonders in den Morgen- und Abendstunden in großer Zahl umkreisen. Deshalb wurde unsere Stadtkirche im September 2008 mit der Plakette "Lebensraum Kirchturm" des NABU ausgezeichnet.
 

Der Innenraum

Der Taufstein stammt wahrscheinlich aus der Burg Scharfenberg bei Thal (bei Eisenach). Der obere Teil ist auf das 12.Jh. zu datieren. Darauf deutet der umlaufende Fries mit aneinandergereihten Hufeisen. Solche Hufeisenfriese sind selten zu finden (z.B. an einem Taufstein in Merenberg im Westerwald oder an der Apsis der Frauenbergkirche in Nordhausen, beide aus dem 12.Jh.). Das Taufbecken ist relativ groß und hat einen Abfluss, da bis zum Spätmittelalter die Kinder bei der Taufe ins Wasser eingetaucht wurden. Der Fuß und die schmiedeeiserne Abdeckung mit verschiedenen Taufsymbolen stammen von 1955, die Taufschale und die Taufkanne von 1956.

Die 1554 fertiggestellte Renaissancekanzel aus Kalkstein (bemalt 1635) wurde 1615 durch eine hölzerne Kanzel ersetzt und in der als Friedhofskirche dienenden Nikolauskirche an der Saalebrücke aufgestellt. Erst seit 1955 steht sie wieder in unserer Kirche und wird heute als Lesekanzel genutzt. Sie zeigt unter anderem Reliefs des Sündenfalls und des auferstehenden Christus mit Siegesfahne.

Die Predigtkanzel (Spätrenaissance) an der Südwand geht auf das Jahr 1615 zurück. Die Arbeit stammt vermutlich von einem ortsansässigen Künstler. Auf Stein gemalt sind Moses, Christus, Johannes der Täufer, Christus an der Martersäule und der auferstandene Christus. Auf der hölzernen Treppenwange befinden sich Abbildungen der Evangelisten Johannes und Lukas. Links davon waren vermutlich auf zwei weiteren Bildern die Evangelisten Matthäus und Markus dargestellt; diese Abbildungen fielen aber wohl 1906 dem Einbau des Triumphbogens zum Opfer.

Neben der Predigtkanzel befindet sich der "Ort der Andacht", der dem Besucher die Möglichkeit bietet, einen Moment innezuhalten für Besinnung oder Gebet. Die drei Bilder des russischen Künstlers Vadim Grigorjev aus dem Jahre 1992 tragen die Titel Transformation/(Um)Wandlung, Umgestaltung/Verklärung Christi und Kulmination/Auferstehung. Ein Steingefäß gibt Gelegenheit zum Anzünden eines Lichtes. Die Säule, auf der es steht, gehörte ursprünglich zu der Renaissancekanzel.

An der Nordwand des Kirchenschiffs hängt unter der Empore ein Epitaph eines Unbekannten aus der 2.H. 16.Jh. Das Ölgemälde auf Holz zeigt eine Landschaft mit der Taufe Christi sowie den Verstorbenen mit zahlreichen Familienangehörigen.

Der Graphiker und Kirchenälteste Kurt Löffler aus Kahla schuf 1945 das Wandbild an der Nordseite zum Gedächtnis an die Toten der Weltkriege. Es stellt den Erzengel Michael dar, der das Böse (wieder in Form eines Drachens) besiegt. Dieses Bild wird durch die geplante Orgel verdeckt werden. Es soll jedoch nicht verlorengehen, sondern an anderer Stelle in der Kirche weiter sichtbar sein.

Im Westen auf der oberen Empore befindet sich die Orgel. Sie geht auf ein Werk aus dem Jahre 1796 zurück, wurde im 2. Weltkrieg beschädigt und 1954/55 sowie 1966 umgebaut bzw. erweitert. Die Orgel hat zwei Manuale und 29 Register. Sie ist inzwischen in sehr schlechtem Zustand; eine Reparatur lohnt nicht mehr. Deshalb planen wir den Bau einer aus zwei Instrumenten bestehenden neuen Orgel in Kahla.